Was ist Gefäßchirurgie?
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) (sog. Schaufensterkrankheit)
Hierunter versteht man Durchblutungsstörungen, die mit Schmerzen in einer oder beiden Waden oder Oberschenkeln einhergehen nach einigen Metern Gehstrecke. Häufig wird dies als so genannte „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, da die Beschwerden durch Pausen während des Gehens kurzfristig besser werden.
Durch Tasten der Pulse und Ultraschalluntersuchungen kann der Arzt diese Erkrankung feststellen und durch weitere Verfahren im MRT oder als Katheterangiographie nach Kontrastmittel-Gabe genaue Informationen über Ort der Verengung oder Verschlüsse der Schlagadern erhalten. Häufig ist eine Engstelle einer Ballondilatation zugänglich, oft kann auch durch eine Operation dem betroffenen Patienten geholfen werden. Es kann dann eine Ausschälplastik oder ein Bypass implantiert werden, so dass die Schmerzen beim Laufen behoben werden können. Auch bei Durchblutungsstörungen die bereits zu Gewebeuntergang geführt haben, kann so die Durchblutung oft maßgeblich verbessert werden, so dass sich das Gewebe wieder erholen kann und Amputationen vermieden werden können.
Aortenaneurysma
Die Erweiterung der Bauchschlagader auf einen Durchmesser von 5 cm beim Mann oder 4,5 bei Frauen bezeichnet man als Aneurysma. Um ein „Platzen“ der Bauchschlagader (Ruptur) mit lebensbedrohlicher Blutung zuvor zu kommen, kann diese entweder im Rahmen einer Operation durch eine künstliche Ader aus Kunststoff (Y- oder Rohrprothese, aus PTFE oder Dacron) ersetzt werden, oder, wie heute oft möglich, mit einem Stent versorgt werden. Genaues Abmessen der Bauchschlagader, meistens durch eine Computertomographie ist vorher unbedingt notwendig. Auch andere Schlagadern im Körper können ein Aneurysma ausbilden (thorakales Aneurysma der Brustschlagader oder Aneurysmata der Hirngefäße oder der Arterien der inneren Organe). Zu der Behandlung dieser Veränderungen geben wir Ihnen gerne im persönlichen Gespräch Auskunft und zeigen Ihnen die Therapiemöglichkeiten auf.
Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose)
Verengungen an der Halsschlagader sind häufig die Ursache für Schlaganfälle. Man kann diesen Vermeiden, wenn bei einer Ultraschall- oder MRT-Untersuchung der Halsregion eine behandlungsbedürftige Verengung der Halsgefäße festgestellt wurde und diese operiert wird. Hierzu wird in Narkose die Halsschlagader ausgeschält, so dass der die Arterie einengende Plaque vollständig entfernt wird. Danach verschließt man die geöffnete Halsschlagader meistens mit einem Kunststoffstreifen, der in die Naht eingenäht wird, so dass durch die Gefäßnaht nicht wieder eine Enge entsteht. Ein erneutes Auftreten einer Verengung an derselben Stelle wird sehr selten beobachtet, dennoch sollten auch für die Gegenseite regelmäßige Ultraschallkontrollen erfolgen und eine Medikation mit so genannten Thrombozytenaggregationshemmern, z. B. ASS 100, eingenommen werden. In bestimmten Situationen kann auch das Einbringen eines Stents nach Ballondilatation Erfolg versprechender sein als die Operation.
Krampfaderleiden (Varizen)
Es handelt sich hierbei um Veränderungen der oberflächlichen Venen am Bein, die entweder familiär gehäuft ohne weitere Ursachen auftreten, oder Folge einer früh erlittenen Thrombose sind. Man unterscheidet Besenreißer, einzelne Seitenastvarizen oder komplette Stammvarizen. Vor einer Operation der Krampfadern muss das gesamte Venensystem des betroffenen Beines mit Ultraschall oder röntgenologisch mit Kontrastmittel (Phlebographie) untersucht werden, da das tiefe Venensystem intakt sein muss. Die Operation kann stationär oder ambulant erfolgen. Nach der Operation sollte ein maßgefertigter Kompressionsstrumpf der Klasse II mindestens 6 Wochen getragen werden.
Chronische Ulcera (Geschwürsbildungen an den Beinen)
Man unterscheide hier „offene Beine“ bei ungünstigen Venenabflussverhältnissen von fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen oder dem so genannten diabetischem Fußsyndrom. Venöse Ulcera kennen viele Betroffene, die lange zuvor an Venenthrombosen oder einem Krampfaderleiden litten. Hochlagern und Wickeln der Beine lindert oft schon die Schmerzen. Abheilen der offenen Stellen kann durch moderne Verbandstechniken, Vakuumverbände, Hauttransplantation und sorgfältige Entfernung der die offenen Wunden speisenden Krampfaderäste erreicht werden. Die Behandlung kann mitunter zeitintensiv sein, es können jedoch viele Therapieschritte auch ambulant durchgeführt werden.
Bei offenen Wunden auf dem Boden der arteriellen Durchblutungsstörungen sollte zunächst stets eine Entzündung im betroffenen Bereich behandelt und eine Verbesserung der Durchblutung durch Medikamente, Bypassoperationen etc. durchgeführt werden. Erst dann ist das Abheilen einer offenen Wunde zu erwarten.
Das diabetische Fußsyndrom entsteht im Zusammenspiel einer veränderten Durchblutung bei Diabetikern, einer knöchernen Veränderungen des Fußes sowie einer Störung der Nervenimpulse im Fuß. Vor einer chirurgischen Maßnahme im Fuß oder an einzelnen Zehen, vor genauer Untersuchung der Arterien und der Durchblutungsverhältnisse, muss gewarnt werden. Auch hier ist, wie bei arteriellen Durchblutungsstörungen, die Verbesserung der Gewebedurchblutung die Voraussetzung für ein Abheilen des Hautdefektes oder ein Ausheilen der Wunde nach Abtragung abgestorbener Gewebeanteile. Unbedingt sollte von Orthopädieschuhmachern das Schuhwerk auf gute Passform hin untersucht und regelmäßig angepasst werden.
Moderne Behandlung chronischer Wunden
Neben einer guten Diagnostik und Therapie gehört die Versorgung chronischer Wunden zur täglichen Arbeit in der Gefäßchirurgischen Klinik.
Mein Aufgabenbereich als Wundexpertin der ICW (Initiative chronischer Wunden) umfasst das gesamte Spektrum der modernen Wundbehandlung. Nach neuesten wissenschaftlichem Standard verwenden wir moderne Wundauflagen, Gele und Wundspülungen, die eine rasche Heilung chronischer Hautläsionen möglichst schmerzarm und mit gutem Komfort bewirken sollen. Sehr effektiv ist auch die Behandlung mit Vakuumverbänden oder eine Therapie mit Biomaden, die bei uns sowohl im stationären Bereich wie auch ambulant/nachstationär fortgeführt werden kann. So ist eine kontinuierliche Weiterbehandlung unserer Patienten sowohl im stationären Bereich, wie auch über die Dauer des Krankenhausaufenthaltes hinaus, im ambulanten Bereich gewährleistet.
Sie lernen mich während Ihres stationären Aufenthaltes bereits in der Verbandvisite kennen.
Durchblutungsstörungen der Eingeweideschlagadern (Angina mesenterialis)
Treten gehäuft Schmerzen direkt nach der Nahrungsaufnahme oder Unwohlsein und Blähungen auf, kann dies ein Hinweis sein für Durchblutungsstörungen im Bereich der Eingeweideschlagadern. Solche Beschwerden werden oft verkannt als so genannte Magenbeschwerden, Darmverstimmungen oder werden auf eventuell vorbekannte Gallensteine zurückgeführt. Sollten diese Ursachen aber ausgeschlossen sein, kann die Röntgenuntersuchung der Eingeweideschlagadern mittels Katheterangiographie oder mittels Computertomographie zur richtigen Diagnose führen. Abhängig von der Lokalisation der Veränderungen an den Eingeweideschlagadern kann dann auch durch einen operativen Eingriff geholfen werden. Sollten solche Veränderungen vorliegen, wird dies individuell mit dem Patienten besprochen, um die bestmögliche Therapie festzulegen.


