Quantensprung im Endoskopie-Saal (07.01.2010)
Klinikum: Einzigartiges OP-System verbessert Patientenversorgung

Im Grünlicht stellen sich alle Rottöne viel differenzierter dar. Das OP-Team kann auf den zweidimensionalen Bildschirmen auf dieses Weise weit besser dreidimensional sehen.
Osnabrück, 7. Januar 2009. Endoskopisches Operieren auf hohem Niveau: Im Klinikum Osnabrück steht jetzt ein System komplexer Operationstechnik bereit. Im neuen OP-Saal im Wert von 500.000 Euro werden ausschließlich endoskopische Eingriffe vorgenommen, bei denen ohne große Schnitte durch kleine Öffnungen hindurch operiert wird. Mehrere große High-Definition-Bildschirme mit Touchscreen-Bedienung, grünes Licht und neueste Technik werden bei Blinddarm-, Leistenbruch- oder auch Krebsoperationen zukünftig das Operations-Team unterstützen. „Mit diesem einzigartigen System leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung in der Region“, fasst Klinikum-Geschäftsführer Dr. Hansjörg Hermes zusammen.
Im endoskopischen Operieren wurden in den vergangenen zehn Jahren viele vereinzelte Neuentwicklungen eingeführt: „So kam es zum Einsatz einer Vielzahl von medizintechnischen Geräten verschiedenster Hersteller bei einer einzigen Operation“, erläutert Privatdozent Dr. Jürgen Tepel, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie. Alle Geräte mussten einzeln und unterschiedlich bedient werden.
Das Klinikum verfügt nun über ein System, das die Bedienung aller Geräte über einen einzigen Touch-Screen ermöglicht. Ein fast eineinhalb Meter großer, in die Wand eingelassener Bildschirm zeigt entweder die aktuellen Aufnahmen vom Operationsfeld oder bei Bedarf und auch parallel MRT-, Röntgen- oder CT-Bilder. Unabhängig vom Dateiformat können in kürzester Zeit aus dem digitalen Bildarchiv alte und neue Aufnahmen des Patienten zum Vergleich hochgeladen werden. Außerdem operiert das Team von nun an in besonderem Licht. „Bei grünem Licht stellen sich alle Rottöne viel differenzierter dar. Das dreidimensionale Sehen auf dem zweidimensionalen Bildschirm wird dadurch erheblich erleichtert“, erläutert Privatdozent Dr. Dr. Yves Garnier, Chefarzt der Frauenklinik.
Außerdem ist ein Dokumentationssystem an die Technik gekoppelt. Vom Know-how des Klinikums können über eine Kamera nun auch Ärzte aus anderen Krankenhäusern oder sogar anderen Ländern profitieren. „Wir führen viele Operationen durch, die nur an wenigen Krankenhäusern in Deutschland angeboten werden. Die Aufnahmen können wir live übertragen oder auf Kongressen zeigen. Selbstverständlich nur dann, wenn die Patienten einverstanden sind“, erklärt Dr. Samer Schakaki, Oberarzt in der Urologie. Per Kamera kann außerdem kurzfristig ein anderer Arzt des Klinikums zugeschaltet werden, wenn eine Zweitmeinung benötigt wird. Ein so hochwertig ausgestatteter OP-Saal ist selbst für die Hersteller-Firma keine Selbstverständlichkeit. Das Klinikum Osnabrück wird deshalb zukünftig als Referenz dienen und von der Firma für Fortbildungen genutzt werden.
Am Klinikum Osnabrück werden mit Abstand die meisten Endoskopien in der Region durchgeführt. Rund 3.000 Patienten wurden im Jahr 2009 endoskopisch untersucht oder operiert. „Im kommenden Jahr rechnen wir mit einem weiteren Anstieg um zehn bis 25 Prozent“, erläutert Hermes. Die endoskopische Methode kommt bei gynäkologischen, urologischen und besonders Operationen an den Verdauungsorganen zum Einsatz. Die Entfernung von Galle, Milz, Niere oder Blinddarm aber auch der Gebärmutter und Eierstöcke stehen im Vordergrund. Hinzu kommen Krebsoperationen am Magen oder Dickdarm und der Gebärmutter.

