Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Erst Berufstätigkeit, dann Mutterschaft

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Regelmäßige Kontrollen und gesunde Lebensweise bringen Sicherheit

Mit dem Anstieg des Bildungsgrades und der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen hat sich das Durchschnittsalter von Erstgebärenden in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter verschoben. Über 20 Prozent aller Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind mit über 35, das Durchschnittsalter der Erstgebärenden liegt heute bei etwa 30 Jahren. Der Anteil der Väter, die bei der Geburt des Kindes älter als 40 waren, ist in den letzten 25 Jahren von fünf auf 13,5 Prozent gestiegen.

Die Vorbehalte gegenüber spätberufenen Eltern sind nach wie vor groß. Das wachsende Risiko von Trisomie 21 (im Volksmund „Mongolismus“) wird ebenso ins Feld geführt wie die angeblich mangelnde Jugendlichkeit und Fitness der Eltern. „Allerdings muss man bedenken, dass uns heute die gute medizinische Versorgung und gesündere Lebensbedingungen immer länger jung halten“, argumentiert Privat-Dozent Dr. Dr. Yves Garnier, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Osnabrück.

Theoretisch können Frauen bis zum Ausbleiben der Menstruation schwanger werden. Die Eizellen, die schon bei der Geburt angelegt sind, können jedoch beispielsweise durch Umweltgifte im Laufe des Lebens Schaden nehmen, was sich ab dem 35. Lebensjahr bemerkbar macht. „Auch die Qualität der Spermien nimmt mit dem Alter des Mannes ab, dies schlägt aber erst mit etwa 45 Jahren deutlich zu Buche“, erläutert der Chefarzt.

So erhöht sich mit dem Alter tatsächlich das gesundheitliche Risiko für Mutter und Kind. „Die Wahrscheinlichkeit für eine 25-Jährige, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, liegt bei 1:1000. Mit 35 ist das Risiko 10fach höher und liegt bei 1:100“, erklärt Garnier. Die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt ist etwa dreifach erhöht. Ebenso treten Schwangerschaftsdiabetes und besonders bei Erstgebärenden die Schwangerschaftsvergiftung häufiger auf.

Von den Statistiken sollten Frauen mit Kinderwunsch jenseits der 35 sich jedoch keinesfalls abschrecken lassen. „Wichtig ist, möglichst schon vor der Schwangerschaft den Gynäkologen aufzusuchen, um sich beraten zu lassen“, rät der Chefarzt. Die Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft hilft beispielsweise entscheidend, Spaltbildungen oder Gehirnfehlbildungen zu vermeiden. „Wir verfügen darüber hinaus über medizinisch ausgereifte Methoden, um schon frühzeitig häufige Krankheiten oder Fehlbildungen des Kindes festzustellen“, so Garnier. Allerdings muß auch berücksichtigt werden, dass zahlreiche angeborenen Veränderungen auch heute noch nicht im Mutterleib entdeckt werden können. Früher stand vor allem die Fruchtwasseruntersuchung zur Verfügung. Heute geben uns Untersuchungen des mütterlichen Blutes, spezialisierte Ultraschalluntersuchungen einschließlich der Nackenfaltenmessung Aufschluss.

Garnier rät Schwangeren und besonders Erstgebärenden im höheren Alter zu regelmäßigeren Kontrollen und zu einer äußerst gesunden Lebensweise. Dazu zähle selbstverständlich der Verzicht auf Nikotin und Alkohol. „Ein Restrisiko bleibt trotz aller modernen Methoden bestehen, aber wir können es deutlich reduzieren und Gefahren frühzeitig erkennen.“

Es gebe auch einige Aspekte, in denen die Spätgebärenden den jüngeren Schwangeren gegenüber im Vorteil seien. „Spätgebärende sind meist besser informiert, leben sehr gesund und nehmen diszipliniert die Kontrolluntersuchungen wahr.“ Die größere Lebenserfahrung lässt sie souveräner mit der Schwangerschaft umgehen. Zudem handle es sich in den meisten Fällen um absolute Wunschkinder.

Letzte Änderung: 14. Oktober 2013