Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Endometriose

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SPEZIALSPRECHSTUNDE MINIMAL-INVASIVE-CHIRURGIE (MIC)

Priv. Doz. Dr. Dr. med. Yves Garnier
OA Dr. med. Alexander Keck

Dienstag 10:00 – 17:00 Uhr
Telefon: 0541 405-6816
Telefax: 0541 405-6899
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ENDOMETRIOSE – EINE WEIBLICHE “VOLKSKRANKHEIT”

Definition
Der Name Endometriose leitet sich von dem Wort Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) her. Man versteht unter einer Endometriose das Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle. An diesen ortsfremden Lokalisationen reagiert die Schleimhaut auf hormonelle Veränderungen ähnlich wie in der Gebärmutterhöhle. Das heißt, es kommt zum Aufbau von Schleimhaut innerhalb des monatlichen Zyklus, als auch zum Abbluten der Schleimhaut. Im Gegensatz zur Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle kann das Endometriosegewebe den Körper nicht verlassen. Das Resultat sind innerliche Blutungen sowie eine Degeneration des Gewebes, eine begrenzte Entzündung in der Umgebung der Endometriose und eine mögliche Narbenbildung in diesen Bereichen.

Epidemiologie
Über die Häufigkeit der Endometriose existieren nur Schätzungen. Man kann davon ausgehen, dass rund jede 10. Frau im Alter zwischen 18 und 50 Jahren eine Endometriose entwickelt, wobei die Hälfte der Betroffenen beschwerdefrei ist.

Endometriose tritt nie vor der ersten Regelblutung auf, und ist nach den Wechseljahren sehr selten.

Von allen Endometriose-Patientinnen sind rund 2/3 aller Frauen jünger als 35 Jahre und 10 % jünger als 20 Jahre. Desweiteren spielt die Endometriose auch bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch eine große Rolle. Bei etwa jeder 5. Frau mit Kinderwunsch ist die Endometriose funktionell oder mechanisch die Ursache dafür, dass diese Frauen nicht schwanger werden. Allerdings spielen auch genetische Faktoren eine Rolle, da es eine familiäre Häufung und Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern gibt.

Hauptproblem dieser Erkrankung ist allerdings, dass die Zeit vom Auftreten erster Symptome bis zur gestellten Diagnose etwa 7 – 10 Jahre beträgt.

Die Endometriose ist eine gutartige Erkrankung, das Entartungsrisiko liegt deutlich unter 1 %.

Lokalisation
Prinzipiell kann die Endometriose an allen Stellen des menschlichen Körpers vorkommen. Es gibt 3 Hauptformen, in die die Endometriose eingeteilt wird:

1. Endometriosis genitalis interna (auch Adenomyosis genannt)
hier findet man die Endometrioseherde innerhalb der Muskelschicht und/oder im Eileiter

2. Endometriosis genitalis externa
Endometriose kommt in den Organen des kleinen Beckens, wie z.B. im oder auf dem Eierstock (Ovar), Halteapparat des Uterus, Douglas-Raum oder Blase vor. Man kann sie noch zusätzlich in 3 Gruppen unterteilen:

a.) Eierstockendometriose (syn. Endometriosezysten, Endometriome, Schokoladenzysten)
Endometriosezysten auf und im Eierstock können eine Größe von bis zu 10 cm erreichen. Die eingeblutete Flüssigkeit ist verdickt, so entstehen die sog. “Schokoladen- oder Teerzysten”.

b.) Bauchfellendometriose
Die Herde am Bauchfell können rötlich oder bläschenartig, bläulich-bräunlich oder schwarz aber auch weißlich vernarbt sein. Desweitern können kreisförmige Löcher im Bauchfell enstehen (Allen-Masters-Syndrom).

c.) Endometriose zwischen Darm, Scheide und Gebärmutter (rectovaginale E.)
Diese Form der Endometriose führt zu Verwachsungen und derben Verhärtungen zwischen Gebärmutter und Enddarm.

3. Endometriosis extragenitalis
die Endometriose kommt außerhalb des kleinen Beckens oder in weiter entfernten Körperteilen oder Organen vor (Darm, Lunge, Nabel, Harnleiter u.a.).

THERAPIE DER ENDOMETRIOSE

Da die Ursache der Endometriose bis heute immer noch nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Außerdem muss nicht jede diagnostizierte Endometriose behandelt werden. Eine Endometriose ohne Beschwerden, welche nur zufällig entdeckt wurde z.B. im Rahmen einer Sterilisation bei abgeschlossener Familienplanung erfordert nur gynäkologische Kontrolluntersuchungen, aber keine Behandlung. Wenn die Endometriose aber Beschwerden, chronische Unterleibsschmerzen oder andere Symptome wie z.B. Sterilität verursacht, ist eine Therapie notwendig.

Aktuell besteht die Behandlung der Endometriose aus 2 Säulen:

1. Medikamentöse Behandlung
2. Operative Behandlung

Bei der medikamentösen Behandlung muss die symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln von der hormonellen Behandlung unterschieden werden. Bei geringer Ausprägung der Erkrankung, wenn z.B. eine schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe) im Vordergrund steht, reicht in manchen Fällen eine rein symptomatische Therapie mit Schmerzmitteln oder Medikamenten, die die Produktion schmerzauslösender Stoffe hemmen (Prostaglandin-Synthetase-Hemmer, z.B. Ibuprofen) aus.

Die Behandlung richtet sich immer nach der Symptomatik, wobei eine fortgeschrittene aktive Endometriose, die immer mit Begleitentzündungen und Vernarbungen einhergeht, immer behandelt werden muß.

Hormonelle Therapie
Es gibt bisher kein Medikament, das eine Endometriose dauerhaft heilen kann. Die Endometriose ist eine sexualhormonabhängige Erkrankung. Der Östrogeneinfluss führt zum Fortschreiten der Erkrankung, Östrogenmangel führt zur Regression. Dies ist die Grundlage für die Wirkung der verschiedenen Medikamente zur hormonellen Endometriose-Behandlung. Die Wirkung ist bei fortgeschrittener Endometriose limitiert, da Eierstockzysten, Verwachsungen und Vernarbungen sowie die Darmendometriose wenig oder gar nicht auf die hormonelle Behandlung reagieren.

Östrogen-Gestagen-Therapie
Hormonpräparate mit niedrigem Östrogen- und hohem Gestagenanteil (Gestagenbetonte orale Kontrazeptiva) werden kontinuierlich zur Unterdrückung der Eierstockfunktion verabreicht. Gestagenbetonte orale Kontrazeptiva („Pille“) haben, selbst wenn sie zyklisch verabreicht werden einen gewissen Schutzeffekt, verringern die Wachstumsgeschwindigkeit der Erkrankung. Sinnvoll ist allerdings die kontinuierliche Verabreichung des Präparates (Langzyklus)

Gestagene (Gelbkörperhormon)
Gestagene ohne Östrogengabe sind weniger wirksam hinsichtlich der Unterdrückung der Eierstockfunktion als in Kombination. Eine Dauertherapie mit Gestagenen führt häufig zur Schmerzlinderung und gelegentlich zur Eintrocknung der Endometrioseherde. Als Nebenwirkungen können Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Übelkeit, depressive Verstimmung und Akne auftreten.

Danazol
Der Wirkungsmechanismus des Danazols ist sehr vielfältig. Es greift in verschiedene Mechanismen des hormonellen Regelkreises zwischen Gehirn und Eierstöcken ein. Dadurch kommt es unter anderem zu einer Herabsetzung der Östrogen- und Progesteronproduktion. Danazol ist effektiv in der Behandlung der Symptome. Eine Besserung der Beschwerden tritt meistens schon innerhalb der ersten 4 Wochen auf. Nebenwirkungen können Appetit- und Gewichtszunahme (3-5kg), Akne, fettige Haut und fettiges Haar, Hitzewallungen und andere Wechseljahre-Symptome wie Libidoverlust, Gemütsschwankungen und Reizbarkeit sein. Das Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) ist ein guter Indikator für die Effizienz der Behandlung.

Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (GnRH-analoga)
Das Ergebnis des Einsatzes dieses Medikaments ist ein hypogonadotroper, hypogonadaler Zustand. Es kommt zu einer Funktionsruhe des Eierstocks mit Erlöschen der Follikelreifung und der Östrogensynthese. GnRH-Analoga sind sehr effektiv hinsichtlich Endometrioseschrumpfung und in der Unterdrückung der endometriosebedingten Symptome sehr effektiv. Die Beschwerdesymptomatik verbessert sich unter der GnRH-Analoga-Behandlung: keine Regelblutung, aber auch die menstruationsunabhängigen Schmerzen und Dyspareunie werden verbessert. Die Nebenwirkungen sind vor allem durch die erniedrigten Östrogenwerte = “künstliche Menopause” verursacht. Häufig werden Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, trockene Scheide, Stimmungsschwankungen, Nervosität, Reizbarkeit, Neigung zur Depression und/oder Libidoverlust beobachtet. Diese Nebenwirkungen und das Risiko einer Osteoporose (bei langfristiger Einnahme) können man mit einer Östrogen-Gestagen-Gabe (Add-back-Therapie) vermindert werden.

Operative Therapie der Endometriose
In der operativen Behandlung der Endometriose stellt die Bauchspiegelung (Laparoskopie) heute den Standard dar. Sie wird zunächst als diagnostisches Mittel eingesetzt, um die Endometriose zu bestätigen. Dabei kann dann aber auch gleichzeitig eine definitive Therapie erfolgen. Diese besteht in der vollständigen Entfernung aller sichtbaren Endometrioseherde und Korrektur der von der Endometriose entstandenen Schäden. Im Vergleich zum Bauchschnitt hat die laparoskopische Behandlung den Vorteil eines bis zu 7fachen Vergrößerungseffektes auf dem Bildschirm. Dadurch kann wesentlich blutärmer operiert werden und außerdem können feinste Strukturen wie z.B. Nerven für die Darm- und Blasenfunktion erhalten werden. Dadurch ist eine schnellere Genesung der Patientin gegeben.

Eine sogenannte “Totaloperation”, d.h. die Entfernung von Gebärmutter und beiden Eierstöcken sollte nur als letzter Ausweg gewählt werden. Sie sollte nur bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung bei häufigen Rezidiven oder sehr fortgeschrittenen Befunden durchgeführt werden. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass im Rahmen dieser Operation auch die möglicherweise vorkommende extragenitale Endometriose mit entfernt wird, um Folgeoperationen zu vermeiden.
Für weitere Informationen steht Ihnen unsere Spezialsprechstunde zur Verfügung.

Letzte Änderung: 8. Juni 2012